Hilfe für Kinder und Jugendliche mit Kopfschmerzen und Migräne

3. März 2016

Vor kurzem bekam ich eine Anfrage, ob ich nicht Lust hätte, einen Artikel zum Thema Kopfschmerzen und Migräne bei Kindern und Jugendlichen zu schreiben. Da ich selbst als Jugendliche, bis hin ins junge Erwachsenenalter an Migräne litt, habe ich gerne zugesagt und war überrascht, was ich bei meinen Recherchen alles herausgefunden habe.

Immer mehr Kinder und Jugendliche haben Kopfschmerzen und Migräne. Untersuchungen haben gezeigt, dass über 80 % der 12- bis 19-Jährigen in den zurückliegenden sechs Monaten unter Kopfschmerzen litten. (Quelle: R. von Kries, F. Heinen, A. Straube. MUKIS: Münchner Untersuchung zu Kopfschmerzen bei Gymnasiasten – Interventionsstudie. Erste Ergebnisse der MUKIS-Erstbefragung. LMU Ludwig-Maximilians-Universität München. Stand: Juli 2012)

Wer schon einmal einen Migräneanfall von Euch hatte weiß, dass das wirklich kein Spaß ist. Es hilft nicht, schnell mal ein Aspirin einzuwerfen und alles ist gut. Schön wärs. Als ich ein junges Mädchen war, so zwischen 12 und 18 Jahren, hatte ich mit regelmäßigen Migräneattacken zu kämpfen. Von den monatlichen, hormonbedingten Kopfschmerzen mal ganz zu schweigen. Teilweise musste ich ganze Tage im abgedunkelten Zimmer verbringen, weil ich es anders nicht ertrug. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, dass meine Eltern damals mit mir beim Arzt waren. Ich bekam “Migränetabletten” aus der Apotheke. Mehr nicht.

Kopfschmerzen - für kleine KInder besonders schlimm

Nicht, dass ich meinen Eltern einen Vorwurf mache. Wahrscheinlich haben sie es einfach auf die Pubertät und das Wachstum geschoben. Ich selbst hingegen dachte schon ab und zu, ich hätte einen Hirntumor…Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, hatte ich damals ganz schön Angst. Habe aber nie was gesagt. Warum? Ich weiß es nicht.

Nicht zuletzt dank den modernen Medien, können sich Eltern betroffener Kinder oder Jugendlicher heute viel leichter Informationen und Hilfe zum Thema Kopfschmerzen holen. Als ich mich auf der Webseite der Initiative Schmerzlos informiert habe, war ich erstaunt, wie viele verschiedene Formen, Ursachen und Symptome es bei Kopfschmerzen gibt. Es erstaunt also nicht, dass mit der Zeit zahlreiche Mythen und Legenden um die Ursachen von Kopfschmerzen entstanden sind.

Die bekanntesten 10 Mythen zur Ursache von Kopfschmerzen hat die Initiative Schmerzlos genauer untersucht:

1. Handy-Strahlung:

Die gefährliche Strahlung von Handys kann Kopfschmerzen verursachen. Dr. med. Astrid Gendolla: „Es gibt keine Studie, die darauf hinweisen würde, dass die ‚Strahlung‘ durch die normale Benutzung von Handys oder von anderen ‚elektrischen‘ Quellen zu Kopfschmerzen oder Migräne beitragen könnte.“

2. Kopfschmerzen und Kaugummi:

Reduziert der Verzicht aufs Kaugummikauen das Risiko für Kopfschmerzen? Dr. med. Raymund Pothmann: „Es gibt Hinweise, dass extensives Kaugummikauen über mehrere Stunden pro Tag mit mehr Kopfschmerzen einhergeht. Für ‚normales‘ Kaugummikauen gilt das nicht.“

3. Vom ewigen Starren auf die Flimmerkiste:

Zu viel Fernsehen und Computerspiele machen Kopfschmerzen. Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers: „Ein kausaler Zusammenhang konnte in Studien nicht belegt werden, allerdings verbringen männliche Jugendliche mit Kopfschmerzen laut MUKIS-Studie* mehr Zeit mit Spielen am PC als Jugendliche ohne Kopfschmerzen; dabei ist aber nicht geklärt, was Folge und was Ursache ist.“

4. Wenn das Wetter wechselt:

Temperatur und Luftdruck sind verantwortlich für Migräne. Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers: „Wetterfühligkeit und Wetterveränderungen sind die am häufigsten angegebenen Trigger für Migräneattacken. Dabei hat sich aber keine Regelhaftigkeit herausgestellt: Während der eine auf hohen Luftdruck reagiert, reagiert der andere auf niedrigen Luftdruck. Für Deutschland ist festgestellt worden, dass signifikant mehr Migräneattacken auftreten, wenn es größere Veränderungen in der Lufttemperatur gibt, die Richtung der Änderung ist dabei egal. Ansonsten gibt es Hinweise, dass bestimmte Wetterlagen wie das Föhnwetter in Süddeutschland Migräneattacken auslösen können. Dies ist aber nie vorhersagbar. Außerdem kann nicht sicher gesagt werden, ob wirklich das Wetter oder nur die Erwartung als Auslöser dienen.“

5. Der Feind lauert im Essen:

Von A wie Alkohol bis Z wie Zitrusfrüchte, wer ist schuld am dröhnenden Kopf? Dr. med. Raymund Pothmann: „Nahrungsmittel sind wohl das am meisten untersuchte Gebiet unter den Migränetriggern. Um es klar zu sagen: Es gibt nur ganz wenige Stoffe, von denen nachgewiesen werden konnte, dass sie bei einigen Betroffenen regelhaft Migräne auslösen können. Schokolade, Käse, Nüsse und Zitrusfrüchte sind nicht darunter. Etwa ein Viertel der Migränepatienten ist sensibel auf Alkohol, am ehesten auf französischen Rotwein. Darin enthaltene Stoffe, die noch nicht identifiziert sind, können Kopfschmerzen verursachen (z. B. alte Bordeaux-Weine). Bei Jugendlichen weist die MUKIS-Studie* Cocktails als kritische Trigger aus. Der Geschmacksverstärker Glutamat kann ebenfalls Kopfschmerzen bei Migränepatienten auslösen. Dabei handelt es sich häufig nicht um typische Migräneattacken, sondern um einen dumpfen Kopfschmerz, der sich von Migräne unterscheidet.“

6. Reaktionsvermögen auf Überreizung:

Migränehirne ticken anders. Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers: „Ja, dies gilt aber nur für die Zeit zwischen zwei Attacken: Je näher eine Migräneattacke kommt, desto weniger Anpassung zeigen Migränepatienten in der Reizverarbeitung. Dies bedeutet, dass sie Reize auch nach längerer Zeit noch genauso schnell verarbeiten können wie zu Anfang. Dies kann ein Vorteil sein, wenn man schneller reagiert und mehr von der Umgebung mitbekommt. Dies kann aber auch ein Nachteil sein, wenn mehrere Reize gleichzeitig auf einen einströmen: Dann können Migränepatienten schlechter die unwichtigen Reize ignorieren und erleben alles mit, sie werden von den Reizen quasi überflutet.“

7. Migräne ist Frauensache:

Unter Migräne leiden bei weitem mehr Frauen als Männer. Dr. med. Astrid Gendolla: „Die angeborene Veranlagung für Migräne ist unter Frauen und Männern gleich verteilt. Nur im Alter zwischen etwa 20 und 50 Jahren haben Frauen 2- bis 3-mal häufiger und mehr Migräne als Männer, da durch die besondere hormonelle Situation der Frau mehr Attacken ausgelöst werden.“

8. Auslöser erkennen:

Was ist dran an den drei „S“ der Migränetrigger: Stress, unregelmäßiger Schlaf, Stimmungsschwankungen? Dr. med. Raymund Pothmann: „Stress, d.h. psychosoziale Belastung durch viele unangenehme Aufgaben oder Konflikte, und unregelmäßiger Schlaf können Migräneattacken auslösen. Stimmungsschwankungen sind häufig eher die Folge einer Migräne als der Auslöser.“

9. Dosierung von Schmerzmitteln:

Viel hilft viel oder ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste? Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers: „Es gilt bei Kopfschmerzen und Migräne immer der bestimmungsgemäße Gebrauch. Das bedeutet, man soll Akutmedikamente an maximal 10 Tagen im Monat einnehmen, dann aber so früh wie möglich und auch ruhig in höherer Dosierung. Es gilt also: ‚Viel hilft viel‘ in der akuten Attacke und ‚Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste‘ beim Langzeitgebrauch von Schmerzmitteln.“

10. Heilung von Migräne:

Besondere Ernährungsformen wie z. B. die „No-Carb-Diät“ können Migräne heilen. Dr. med. Astrid Gendolla: „Grundsätzlich ist es nicht möglich, Migräne zu heilen. Die Veranlagung bleibt ein Leben lang, sodass immer Attacken auftreten können, auch wenn sie bei den meisten Patienten mit zunehmendem Lebensalter immer seltener kommen. Gerade Anbieter von bestimmten Diäten versprechen eine Heilung von Migräne, ohne dass es dafür Belege gäbe. Dies gilt auch für die ‚No-Carb-Diät‘, die im Gegenteil sogar bei Migräne problematisch ist, da Menschen mit Migräne regelmäßig Kohlenhydrate benötigen.“

Also das fand ich schon sehr interessant und aufschlußreich. Was kann man als Eltern also tun?  Und, was soll man besser lassen? Welche Hausmittel machen Sinn und was ist absoluter Unfug oder sogar schädlich. Die Experten der Initiative Schmerzlos habe diese Fragen untersucht und versucht herauszufinden, was Kindern und Jugendlichen bei Kopfschmerzen wirklich hilft. Ich habe mir die Seite der Initiative Schmerzlos zu meinen Lesezeichen gelegt, damit ich bei Bedarf schnell darauf zugreifen kann.

Mich würde interessieren, ob Ihr oder Eure Kinder auch regelmäßig kopfschmerzgeplagt seid und was Ihr dagegen macht.

 

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Initiative Schmerzlos, spiegelt aber, wie immer, meine persönlichen Erfahrungen und meine persönliche Meinung wieder.

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2 Comments

  • Anika

    Ein interessanter Artikel. Mein Sohn leidet auch öfter unter Kopfschmerzen. Nicht schön.

    3. März 2016 at 14:11 Reply
    • Sandra

      Danke Anika! Bei uns im Moment auch. Tobi wird 11 und klagt auch regelmäßig über Kopfschmerzen. Bis jetzt sind wir aber ohne Schmerzmittel ausgekommen. Liebe Grüße
      Sandra

      6. März 2016 at 20:36 Reply

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